Endometriose in jedem Alter – warum diese Erkrankung nicht an Lebensphasen gebunden ist
Endometriose wird oft als „Frauenkrankheit im gebärfähigen Alter“ bezeichnet. Dieses Bild hält sich zwar hartnäckig, ist aber zu einfach gedacht. Denn die Realität ist deutlich komplexer: Endometriose kann bereits vor der ersten Periode beginnen, in der Jugend auftreten, sich über Jahre entwickeln und sogar nach den Wechseljahren bestehen bleiben.
Dieser Beitrag zeigt, warum Endometriose keine Frage des Alters ist und warum dieses Verständnis für Betroffene so wichtig ist.
Kann Endometriose schon vor der Geburt entstehen?
Die Vorstellung, dass Endometriose erst mit der Menstruation beginnt, wird zunehmend hinterfragt. Tatsächlich wurden in wissenschaftlichen Untersuchungen bei weiblichen Föten bereits endometriumähnliche Zellstrukturen außerhalb der Gebärmutter nachgewiesen.
Und das könnte darauf hindeuten, dass die Grundlage für Endometriose bereits während der Entwicklung im Mutterleib gelegt wird. In dieser Phase entstehen die sogenannten Müller-Gänge, aus denen sich später Gebärmutter und Eileiter entwickeln. Wenn sich dabei Zellen „verirren” und an falschen Stellen ansiedeln, könnten sie später eine Rolle bei der Entstehung von Endometriose spielen.
Solange kein Östrogen wirkt, bleiben diese Zellen meist unauffällig. Erst mit der Pubertät, wenn der Hormonspiegel ansteigt, könnten sie aktiviert werden und zu wachsen beginnen.
Dies würde erklären, warum manche Betroffene bereits sehr früh, teilweise kurz nach der ersten Periode, Beschwerden entwickeln.
Endometriose in der Jugend – oft übersehen
Endometriose beginnt häufig bereits im Jugendalter, wird aber oft erst nach Jahren erkannt. Starke Regelschmerzen werden bei jungen Menschen noch immer viel zu häufig als „normal” abgetan.
Dabei zeigen Studien, dass ein erheblicher Anteil von Jugendlichen mit chronischen Unterbauchschmerzen bereits an Endometriose erkrankt ist. Das Problem: Die Erkrankung wird in diesem Alter oft nicht ernst genug genommen oder gar nicht erst in Betracht gezogen.
Typische Anzeichen sind starke, belastende Menstruationsschmerzen, Schmerzen beim Sport oder im Alltag sowie Übelkeit, Erschöpfung oder Kreislaufprobleme während der Periode. Eine frühe Diagnose ist wichtig, um unnötiges Leiden zu vermeiden und die Erkrankung besser zu behandeln.
Endometriose im Erwachsenenalter
Die meisten Diagnosen werden zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr gestellt. In dieser Zeit ist die Erkrankung häufig besonders aktiv, da sie stark von Östrogen beeinflusst wird. Typische Beschwerden sind chronische Unterbauchschmerzen, Schmerzen beim Sex, Probleme beim Wasserlassen oder Stuhlgang sowie unerfüllter Kinderwunsch (und zahlreiche weitere). Doch auch hier gilt: Die Ausprägung der Erkrankung kann sehr unterschiedlich sein. Manche Betroffene haben starke Schmerzen bei kleinen Herden, andere kaum Beschwerden trotz ausgeprägter Endometriose. Auch die Symptome können variieren.
Hört Endometriose mit den Wechseljahren auf?
Nope. Ein weit verbreiteter Mythos ist, dass Endometriose mit den Wechseljahren verschwindet. Tatsächlich ist es leider komplizierter. Mit dem Absinken des Östrogenspiegels nehmen die Beschwerden bei vielen Betroffenen zwar ab, aber Endometriose kann auch nach den Wechseljahren bestehen bleiben oder sogar neu auftreten. Warum? Endometrioseherde können teilweise selbst Östrogen produzieren und auch das Fettgewebe und andere Körperstrukturen tragen ebenfalls zur Östrogenbildung bei. Auch hormonelle Therapien (z. B. bei anderen Erkrankungen) können Einfluss nehmen. Es gibt daher dokumentierte Fälle von Endometriose auch im höheren Alter. Besonders problematisch: In dieser Lebensphase wird die Diagnose oft noch seltener in Betracht gezogen und auch hier werden Betroffene oft wieder nicht ernst genommen.
Wir müssen Endometriose anders betrachten
Betrachtet man Endometriose nur als „Erkrankung der Menstruation“, werden viele Betroffene übersehen. Die Forschung zeigt immer deutlicher, dass es sich um eine komplexe, systemische Erkrankung handelt, die den ganzen Körper betreffen kann – hormonell, entzündlich und sogar neurologisch.
Ein besseres Verständnis bedeutet frühere Diagnosen, gezieltere Therapien und vor allem mehr Anerkennung für die Erfahrungen der Betroffenen. Denn egal in welchem Alter: Schmerzen sind nie normal und sie verdienen es IMMER, ernst genommen zu werden.
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